Grenzenlose Werkstofflogistik

Logistik entwickelt sich zunehmend von einer Unterstützungsfunktion zu einem Wettbewerbsfaktor, dem Plansee Hochleistungswerkstoffe und seine Kunden immer mehr Aufmerksamkeit widmen.

Logistik versteht sich als Gestalter unternehmensinterner und -übergreifender globaler Prozess- und Informationsnetzwerke, gestützt von qualifizierten Teams, zur Erfüllung operativer und strategischer unternehmerischer und marktseitiger Herausforderungen, die beim Werkstoffhersteller Plansee wie folgt aussehen: Die Nachfrage nach Produkten aus den hochschmelzenden Metallen Molybdän und Wolfram wird immer weniger planbar. Wichtige Märkte wie Automobilindustrie oder Unterhaltungselektronik sind starken Absatzschwankungen unterworfen, denen sich Lieferanten wie Plansee stellen müssen. Die Wertschöpfungskette von Plansee – vom Erzkonzentrat bis zur einbaufertigen Komponente – verteilt sich auf unterschiedliche, räumlich weit voneinander entfernte Produktionsstätten. Zudem bekommt das Projektgeschäft eine wachsende Bedeutung. „Unsere Kunden denken zunehmend in Szenarien, wenn es darum geht, Produkte mit neuen Funktionen auszustatten. Voraussetzung dafür ist, dass es ihnen gelingt, dafür Lieferanten zu qualifiziere  mit denen sich diese neuen Funktionen schnell und effektiv einführen lassen“, so Harro Borowski, Leiter des Plansee Supply Chain Managements. Entwicklungen, denen sich Plansee stellt und die eine kontinuierliche Anpassung und Optimierung der logistischen Prozessketten erfordern. Und nicht nur das: „Die Herausforderung liegt für uns darin, durch ein intelligentes Supply Chain Management Wettbewerbsvorteile für unsere Kunden zu schaffen und Differenzierungsmerkmale zu etablieren“, so Harro Borowski. Welche Auswirkungen haben diese Herausforderungen auf die Organisation und das Supply Chain Management von Plansee? Seit 2007 wurde konsequent an allen Plansee-Standorten SAP implementiert. Damit war die Voraussetzung zur Gestaltung und Umsetzung global einheitlicher Prozessstandards geschaffen. Neben der produktionsrelevanten Übernahme von Kundenbedarfsvorschauen bietet Plansee seinen Kunden heute eine Vielzahl von vereinfachenden Möglichkeiten zur Zusammenarbeit bei der Auftragsabwicklung an.

Direktlieferungen

Mit der Einführung von Direktlieferungen wurde gruppenweit erreicht, dass Plansee-Produkte direkt vom Produktionsstandort an den Endkunden versendet werden. Damit konnten Lieferzeiten und Logistikkosten spürbar reduziert werden. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass die verschiedenen Unternehmenseinheiten dadurch prozesstechnisch und organisatorisch stärker zusammenwachsen und die Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit auf marktseitige Bedarfsänderungen oder Nachfragen signifikant erhöht werden konnte.

Konsignationslager

Um Kunden höchste Versorgungssicherheit zu bieten, betreibt Plansee für einzelne Kundengruppen Konsignationslager. Das qualitätsgeprüfte Material wird jederzeit in der vereinbarten Menge bei den Kunden vorgehalten.

EDI-Anbindung mit Kunden

Zu einzelnen Kunden hat Plansee die erforderlichen elektronischen Schnittstellen für einen zeitnahen Datenaustausch geschaffen. Gleichzeitig wurde das logistische Rollenspiel zwischen den Kunden und Plansee auf die neuen Logistikprozessanforderungen abgestimmt. So kann Plansee seine Produktion jederzeit flexibel auf die aktuellen Kundenbedarfe ausrichten. Die Leistungsfähigkeit in der Lieferkette steigt, die Transaktionskosten sinken.

Verzollung

Im Versand bietet Plansee seinen Kunden weltweit die Möglichkeiten der DDP-Lieferung (Delivered Duty Paid). Dabei übernimmt Plansee als Versender die Verzollung in Ländern, in denen das Unternehmen mit Niederlassungen vertreten ist. Begleitet wird dieser Prozess durch ein aktives Tracking & Tracing aller Transporte, die zeitnahe elektronische Bereitstellung von Versand- und Lieferdokumenten sowie die frühzeitige Prüfung und Regelung von weiteren export- und importrelevanten Voraussetzungen wie Tarifierung oder Einfuhrumsatzsteuer. Voraussetzung dafür ist eine detaillierte anwendungsbezogene Beschreibung von eingesetztem Werkstoff und Produkt, die dem Transportunternehmen für die Importverzollung zur Verfügung gestellt wird.

Compliance

Schon beim Anlegen einer Bestellung prüft das System im Hintergrund, ob der Kunde aus Embargoländern kommt oder auf Sanktionslisten zu finden ist. Aufgrund der Materialklassifizierung wird ermittelt, ob beispielsweise eine Endverbleibserklärung des Produkts vom Kunden angefordert werden muss. So ist Rechtssicherheit für den Kunden und Plansee gewährleistet.

Zwischenlager

Die Reduzierung der Lieferzeiten und das Nivellieren marktseitiger Bedarfsschwankungen erreicht Plansee durch moderne Methoden zur Definition und Steuerung von Entkopplungspunkten in der Produktion. Entkopplungspunkte stehen für intelligent gesteuerte Zwischenlager, die einerseits unabhängig von marktseitig bedingten Bedarfsschwankungen befüllt werden und damit eine kontinuierliche Produktion sicherstellen, andererseits jedoch kurzfristig das Beliefern von Kunden mit Mehrmengen ermöglichen. Unterstützt von einer aktiven tagesgenauen Steuerung der Produktionslinien und Kapazitäten werden die Durchlaufzeiten gesteuert und, wo immer möglich, zur Steigerung der Produktionsflexibilität reduziert. Mittlerweile gilt dieses Produktionsprinzip bei Plansee für fast alle Halbfertigprodukte aus Molybdän und Wolfram, wie Bleche, Bänder, Stäbe oder Drähte. Das Halbzeug wird in wenigen Standardabmessungen auf Lager gehalten und kann innerhalb kurzer Zeit kundenspezifisch bearbeitet und ausgeliefert werden. Ein wesentlicher Treiber zur Umsetzung dieses Produktionsprinzips ist die Display- und Lichtindustrie.

Transparenz

Die meisten Mitarbeiter im Verkauf haben bei Plansee unabhängig von ihrem Standort jederzeit Zugriff auf alle Informationen zu ihren Kunden-, Produktions- und Distributionsvorgängen – und das in Echtzeit. Der Kundenbetreuer kann Rückfragen zu Kundenaufträgen und Distributionsvorgängen, unabhängig vom jeweiligen Produktions- und Auslieferstandort, zeitzonenunabhängig beantworten.

Um weiterhin die zunehmenden Anforderungen der internen und externen Kunden erfüllen zu können, arbeitet das Supply Chain Management von Plansee konsequent an der Weiterentwicklung der globalen und lokalen Geschäftsprozesse mit dem Ziel, die Lieferzeiten zu reduzieren, die Produktions- und Netzwerkflexibilität zu steigern, die Mitarbeiter zur Unterstützung dieser Herausforderungen weiterzuentwickeln, die Informationstransparenz und -qualität zu erhöhen sowie die globale operative Zusammenarbeit im Sinne von Plansee als eine global agierende virtuelle Organisation zu stärken.