Vor über 100 Jahren wurde Licht zum Massenprodukt. Türöffner für das Licht aus der Steckdose waren gewendelte Wolframdrähte für Glühlampen – ein Produkt, mit dem auch Plansee groß wurde. Bis heute ist die Lichtindustrie ein wichtiges Standbein der Unternehmensgruppe.

Wir schreiben die Jahre 1910 bis 1915. Helle Aufregung weltweit. Die Elektrifizierung schreitet voran. Das Licht kommt. Nicht in Form der schummrigen Kohlenfadenlampen, die im ausgehenden 19. Jahrhundert Verbreitung fanden. Sondern als Glühlampen mit Wolframwendeln, die wesentlich heller leuchten. Den Siegeszug des Wolframwendels hat ein neues Verfahren ermöglicht, bei dem das an sich spröde Wolfram zu langen, äußerst dünnen Fäden gezogen wird. Auch Paul Schwarzkopf entwickelt ein Verfahren für die Herstellung von Wolframdrähten und fertigt die begehrten Drähte – zunächst in Berlin, später in Nijmegen/Niederlande und seit 1921 in Reutte/Tirol. Hauptabnehmer ist die junge Lichtindustrie. Paul Schwarzkopf legt mit seinen Unternehmensgründungen den Grundstein für eine Unternehmensgruppe, die sich in den kommenden 100 Jahren vor allem mit den Werkstoffen Molybdän und Wolfram beschäftigen wird.

Pionier in der Lichtindustrie
Zwar ist die Qualität der Glühfäden bereits durchaus annehmbar. Allerdings sucht Paul Schwarzkopf nach Wegen, die Produktionskosten zu senken. Seit Anfang der 30er-Jahre nutzt er eine weitere Entwicklung: das Hartmetall. Er stellt Ziehmatrizen her, die Standzeit bei der Drahtfertigung erhöht sich merklich. Das ist die Geburtsstunde für die heutigen Hartmetallaktivitäten der Plansee-Gruppe, die im Unternehmensbereich Ceratizit gebündelt sind.
Doch Paul Schwarzkopf ist nicht nur Pionier in der Lichtindustrie. Er ist auch Visionär. Er weiß: Eine Welt, die sich rasant technisiert, wird zunehmend auf die Hochtechnologiewerkstoffe Molybdän und Wolfram angewiesen sein. In der Lichtindustrie sind es Werkstoffeigenschaften wie hoher Schmelzpunkt, ein niedriger Dampfdruck, exzellente Wärmeleitfähigkeit und eine niedrige Elektronenaustrittsarbeit. Doch Molybdän und Wolfram, häufig mit winzigen Mengen weiterer Elemente legiert, verfügen über eine Vielzahl von weiteren wichtigen Eigenschaften. Gerade diese Eigenschaften sind es, mit denen Plansee immer wieder neue Einsatzbereiche für seine Werkstoffe in der Lichtindustrie erschlossen hat. Denn die gute alte Glühlampe ist schon lange kein Markt mehr für Plansee.
Heute kommen die hochschmelzenden Metalle von Plansee in Halogenlampen, Hochdruckentladungslampen oder bei der Herstellung von Hochleistungs-LEDs zum Einsatz. Zu den aktuellen Produkten für die Lichtindustrie zählen unter anderem Wolframfeindraht für Glühwendeln, Molybdän-Stütz- und -zuführungsdrähte, Abblendkappen für H4-Lampen oder Wolframelektroden. Ganz abgesehen von einer Vielzahl von Werkstoffen, die im Produktionsprozess von LEDs benötigt werden.Gleichzeitig arbeitet Plansee mit Hochdruck an der Entwicklung von thoriumfreien Werkstoffen für die Lichtindustrie.

Wachstumsmarkt LED
Heute ist es schon lange nicht mehr ausschließlich die Lichtindustrie, in der die Hochtechnologiewerkstoffe der Plansee-Gruppe benötigt werden: Zu den großen Märkten zählen ebenso die Unterhaltungselektronik, der Maschinen- und Anlagenbau, die Medizintechnik und die Werkzeugindustrie.
Um auch in Zukunft die Lichtindustrie zuverlässig beliefern zu können, investiert Plansee derzeit in ein neues Werk in Mysore/Indien. Hier werden Wolframdrähte für Halogenlampen gezogen. „Licht ist ein Grundbedürfnis der gesamten Menschheit – egal, ob es aus der Glühbirne, der Halogenlampe oder der LED kommt“, so Alexander Tautermann, Vertriebsleiter für Lichtprodukte. „Neben all den Märkten, die Plansee in den vergangenen Jahrzehnten erschlossen hat, war die Lichtindustrie stets ein wichtiges Standbein für uns. Auch wenn das traditionelle Lichtgeschäft aufgrund der großartigen LED-Erfolge rückläufig ist, werden wir auch in Zukunft ein breites Sortiment an Produkten und Lösungen für die Lichtindustrie anbieten – sowohl für traditionelle Anwendungen wie auch für ganz neue Lichttechnologien.“

Die Hightechwelt setzt immer stärker auf die Hochtechnologiewerkstoffe Molybdän und Wolfram.