Kostenrisiken minimieren

Um die Effekte des volatilen Molyb­dän­­­preises zu dämpfen, setzt der chile­­nische Molybdänhersteller Molymet auf eine enge Zusammenarbeit mit seinen Kunden und maßgeschneiderte Produktlösungen.

John Graell Moore, Executive Chairman von Molymet.
John Graell Moore, Executive Chairman von Molymet.

livingmetals: Wie hat sich der Rohstoffpreis für Molybdän in den letzten Jahren entwickelt?

John Graell Moore: Im Jahr 2015 ist der Preis für Molybdän stark gefallen. Lag der Preis im Jahr 2014 noch bei 11,30 US-Dollar pro Pfund*, so fiel er im vergangenen Jahr auf 6,65 US-Dollar pro Pfund, ein Rückgang von gut 42 Prozent. Trotz dieses Rückgangs kann Molymet dank geeigneter finanzieller und kaufmännischer Rahmenbedingungen die Risiken aus diesen Preisschwankungen minimieren.

livingmetals: Was steckt hinter der Preisentwicklung?

John Graell Moore: Der Preisverfall für Molybdän war in den vergangenen Jahren stärker ausgeprägt als bei anderen Rohstoffen. Das hat vor allem damit zu tun, dass der Preis von Molybdän stark von der Stahlindustrie beeinflusst wird. Die Stahlindustrie ist von starken Überkapazitäten gekennzeichnet, vor allem in China. Als größter Hersteller und Verbraucher von Molybdän hat China spürbare Zeichen einer wirtschaftlichen Verlangsamung gezeigt. Grundsätzlich sind die Prognosen für die weltweite Nachfrage nach Molybdän nicht optimistisch. Dies hat zwei wesentliche Gründe: einerseits die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China, dem größten Verbraucher von Molybdän weltweit, und andererseits eine geringere Nachfrage nach Rohrleitungen aus molybdänlegiertem Stahl, die in der Öl- und Gasindustrie verwendet werden. Dennoch erwarten wir in diesem Jahr eine leichte Erholung beim Molybdänpreis, vor allem aufgrund einiger Investitionsprojekte in Häfen und Eisenbahnen in China, die hochbelastbare Stähle erfordern.

livingmetals: Günstige Rohstoffkosten – ist das nicht der Traum der verarbeitenden Industrie?

John Graell Moore: Die Geschichte lehrt uns, dass der Rohstoffpreis bestimmten Wirtschaftszyklen unterworfen ist. Da die Schwankungen von sehr vielen Faktoren bestimmt sind, ist es sehr schwer, Prognosen für die Preisentwicklung abzugeben. Zu den Faktoren gehören das verfügbare Angebot, die weltweite Nachfrage nach diesen Produkten, die technologische Entwicklung, unterschiedliche Endanwendungen oder neue Werkstoffe, die alte ersetzen. Aufgrund dieser Erfahrungen können wir davon ausgehen, dass einer Hochpreisphase, die wir vor einigen Jahren hatten, eine Phase mit niedrigeren Preisen folgt. Ich bin jedoch grundsätzlich zuversichtlich, dass sich die Preise für Molybdän stabilisieren werden.

livingmetals: Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

John Graell Moore: Grundsätzlich streben wir langfristige Lieferverträge mit unseren Kunden an, um das Risiko volatiler Produktpreise zu reduzieren und unser Geschäft zu stabilisieren. Darüber hinaus wollen wir unser Geschäftsportfolio um Produkte aus Molybdänmetall erweitern, eine größere Auswahl an Refraktärmetallen bieten und Recycling-Technologien entwickeln, um diese Metalle in den Rohstoffkreislauf zurückzuführen. Zudem werden wir uns noch stärker als bisher mit den Bedarfen unserer Kunden auseinandersetzen und Lösungen entwickeln, die es ihnen ermöglichen, ihre Erträge zu steigern und den Service für ihre Endkunden auszubauen.

livingmetals: Welchen Nutzen hat der Kunde davon?

John Graell Moore: Seit vielen Jahren ist es Teil unserer Unternehmensphilosophie, dass wir unsere Kunden als Partner betrachten in dem Sinne, dass wir täglich daran arbeiten, ihre wesentlichen Bedarfe zu kennen und langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen. Diese enge Zusammenarbeit hat es uns im Laufe der Jahre ermöglicht, mit jedem einzelnen Kunden eine erfolgreiche Verbindung einzugehen, den genauen Umfang seiner Anforderungen zu kennen und ihn auf diese Weise dabei zu unterstützen, seine Geschäfte weiterzuentwickeln.

livingmetals: Warum ist Molybdän wichtig für die Industrie?

John Graell Moore: Ein Großteil des weltweit produzierten Molybdäns wird in der Stahlindustrie als Legierungszusatz für rostfreien Hochleistungsstahl benötigt. Dieser Zusatz verbessert die Eigenschaften des Stahls wie Härte, Hochtemperaturfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit. Außerdem erhöht es die Lebensdauer und die Effizienz von Maschinen und Anlagen. Molybdän ist auch in Pigmenten, Katalysatoren, Schmiermitteln und vielen anderen Anwendungen eingesetzt.

* Molybdenum approx. 14.8 US dollars per kilo, Tungsten 40 US dollars per kilo

Essenzieller Werkstoff

Ein Großteil des Molybdäns geht in die Stahlindustrie. Kleinere Mengen werden in der chemischen Industrie und als reines Metall für Hochtechnologiewerkstoffe benötigt. Erfreulich: Der größte Teil des Molybdäns bleibt permanent im Rohstoffkreislauf.