„Tatkräftige Unterstützung und klare Spielregeln“

In zehn Jahren hat die Plansee-Gruppe Beteiligungen mit einem Transaktionswert von 800 Millionen Euro übernommen. Dr. Michael Schwarzkopf über die Ziele.

livingmetals: Zu den Zielen der Plansee-Gruppe gehört es, nachhaltig profitabel und schneller als der Wettbewerb zu wachsen. Was heißt das?

Dr. Michael Schwarzkopf: Zunächst einmal stellen wir uns die grundsätzliche Frage, wo wir als Unternehmensgruppe hinwollen. Da lautet die Antwort ganz klar: Wir wollen ein führender Anbieter für die Werkstoffe Molybdän und Wolfram sein – entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Also von der Verarbeitung des Erzkonzentrats und dem Recycling bis hin zu Produkten, die unsere Kunden fix und fertig einbauen oder weiterverarbeiten können. Die zweite Frage lautet: An welchen Stellen der Wertschöpfungskette können wir besser werden oder uns gezielt verstärken? Auf Basis dieser Analyse schauen wir uns erst an, ob wir das aus eigener Kraft hinbekommen, beispielsweise durch Investitionen in Kapazitäten oder die Entwicklung neuer Produkte und Lösungen. Wenn strategische Maßnahmen sinnvoller erscheinen, übernehmen wir Unternehmen. Egal, ob Investition, Akquisition oder Innovation – jedes Vorhaben zielt auf die wertsteigernde und langfristige Entwicklung der Plansee-Gruppe ab. Wenn Plansee kauft – wer passt zu uns? Eine Übernahme ist für uns strategisch sinnvoll, wenn wir damit unsere führende Position in einem unserer derzeit 16 Geschäftsbereiche ausbauen können. Die Erfahrung zeigt: Privatunternehmen in großer Nähe zu unserem Kerngeschäft lassen sich besonders gut integrieren. Dabei streben wir Mehrheitsbeteiligungen an, in denen wir die industrielle Führerschaft beanspruchen.

livingmetals: Warum sollte ein bislang eigenständiges Unternehmen Teil der Plansee-Gruppe werden?

Dr. Michael Schwarzkopf: Wir verfolgen den Best-Owner-Anspruch. Unsere Beteiligungen sollen sich gut aufgehoben fühlen in der Plansee-Gruppe und langfristige Entwicklungsperspektiven entlang einer klaren strategischen Positionierung haben. Häufig sind wesentliche Kriterien für unsere Partner die gesicherte Weiterführung ihres Unternehmens, der Schritt von einem lokal begrenzten hin zum Weltmarkt oder der Zugang zu attraktiven Vormaterialien, Produkten und Technologien. Unsere Beteiligungen profitieren weiters davon, dass sie tatkräftig unterstützt werden – bei Investitionen, bei Management-
Entscheidungen sowie mit funktionierenden HR-, IT- und Compliance- Systemen. Allerdings gibt es auch klare Spielregeln: Zu den ersten Integrationsschritten gehört in der Regel die Einbindung in unser weltweites IT-Netzwerk und in unser Berichtswesen.

livingmetals: Welches Selbstverständnis hat die Plansee-Gruppe?

Dr. Michael Schwarzkopf: Wir sehen uns als strategischer Impulsgeber, als langfristig engagierter Finanz- und Entwicklungspartner und als Verfechter von Transparenz und verantwortungsvoller Unternehmensführung. Außerdem bieten wir als Unternehmensgruppe vielen Mitarbeitern gerade von kleineren Unternehmen interessante Karriereoptionen. Und wir sehen in der konsequenten Delegation von Verantwortung einen Wettbewerbsvorteil. Das heißt: größtmögliche Handlungsfreiheit für unsere Beteiligungen in ihrem operativen Geschäft. Je besser die Zahlen, desto größer die Freiheit.

Wachstum durch Übernahmen

In den vergangenen zehn Jahren hat die Plansee-Gruppe Unternehmen und Beteiligungen mit einem Transaktionswert von 800 Millionen Euro übernommen. Dabei hat die Plansee-Gruppe ihre Wertschöpfungskette kräftig ausgebaut: Im Zuge der Rückwärtsintegration wurde die Rohstoffversorgung mit Wolfram und Molybdän gesichert. Zudem wurde die Fertigung von Produkten und Lösungen aus Hartmetall signifikant erweitert.

Hier einige Beispiele:
Global Tungsten & Powders (GTP), Towanda/USA

Übernahme: 2008
Logik: Der Experte für Wolframpulver in der Plansee-Gruppe. Kauft Rohstoffe aus westlichen Minen. Macht aus Wolfram-Erzkonzentrat und Sekundärrohstoffen reines Wolframpulver sowie Wolframkarbid für die Produktion von Hartmetall.

Tikomet, Jyväskylä/Finnland
Übernahme: 2015
Logik: Bereitet hochwertige Wolfram-Sekundärrohstoffe über das Zink-Verfahren auf. Ergänzt das bei GTP bereits seit Jahrzehnten erfolgreiche chemische Aufbereitungsverfahren.

Molymet, Santiago/Chile
Beteiligung: schrittweise seit 2011 auf heute 20 Prozent
Logik: Der Experte für Molybdänpulver in der Plansee-Gruppe. Macht aus Molybdän-Erzkonzentrat Molybdän-Trioxid für die Plansee-Gruppe und Legierungen für die Stahlindustrie.

CB Ceratizit, Taiwan/China
Beteiligung: Joint Venture mit Ceratizit 2010
Logik: Stäbe und Verschleißteile aus Hartmetall für den asiatischen und amerikanischen Markt basierend auf günstigen chinesischen Rohstoffen.

Günther Wirth, Balzheim/Deutschland
Promax Tools, Rancho Cordova/USA
Klenk, Balzheim/Deutschland
Cobra Carbide, Bangalore/Indien

Übernahmen: 2012 bis 2015
Logik: Standard- und Sonderwerkzeuge aus Vollhartmetall für das Bohren, Fräsen und Reiben für die allgemeine Fertigungsindustrie sowie Sonderlösungen, beispielsweise für die Luftfahrtindustrie.


Wolfra-Tech, Mysore/Indien, heute Plansee India
Übernahme: 2011
Logik: Kompetenzzentrum für Feindrähte aus Wolfram und Molybdän. Wettbewerbsfähige Fertigung arbeitsintensiver Produkte.

TCB, Seoul/Korea, heute Plansee Korea
Übernahme: 2012
Logik: Bonding als letzter, lokaler Produktionsschritt bevor Beschichtungswerkstoffe von Plansee in den Beschichtungsanlagen seiner Kunden eingesetzt werden.

Breit aufgestellte Industriegruppe
In der Plansee-Gruppe dreht sich alles um die Werkstoffe Molybdän und Wolfram – vom Erzkonzentrat bis zum fertigen Produkt. Rechnet man alle Beteiligungen der Plansee-Gruppe zusammen, so wird ein Umsatz von zuletzt 2,2 Mrd. Euro erzielt. Die Zahl der weltweit tätigen Beschäftigten beträgt 11.900. Konsolidiert hat die Plansee-Gruppe im vergangenen Geschäftsjahr mit 6.371 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,18 Mrd. Euro erwirtschaftet.