Zuverlässiger Wolframhersteller

Angesichts des Wolfram-Preisverfalls hat GTP die Produktion modernisiert und automatisiert. Mit neuen Produkten und einer weltweiten Vertriebsoffensive sieht sich das Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt.

Dr. Andreas Lackner, Präsident/CEO von GTP.
Dr. Andreas Lackner, Präsident/CEO von GTP.

livingmetals: Wie hat sich der Rohstoffpreis in den vergangenen Jahren entwickelt?

Dr. Andreas Lackner: Die Preise für Wolfram waren in den vergangenen Jahren ebenso wie der Preis vieler anderer Rohstoffe stark rückläufig. Dabei war Wolfram vom Preisverfall besonders stark betroffen. Seit 2014 ist der Wolfram-Preis um über 60 Prozent gefallen – von 420 Dollar pro metrischer Tonneneinheit für das Zwischenprodukt APW (Ammoniumparawolframat) auf 160 Dollar*. Derzeit sehen wir eine leichte Erholung der Preise.

livingmetals: Was steckt hinter der Preisentwicklung?

Dr. Andreas Lackner: Der Preisverfall ist Ergebnis eines weltweiten Überangebots an Wolframerzkonzentrat und chemischer Verarbeitungskapazität. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich: zum einen die schwächelnde Weltwirtschaft, dann der Absturz des Ölpreises, was zu einem Investitionsrückgang der Öl- und Gasindustrie vor allem in den USA geführt hat, einem wichtigen Markt für wolframbasiertes Hartmetallwerkzeug. Und drittens die Tatsache, dass China den Wolframmarkt beherrscht. Dort liegen rund 80 Prozent der weltweiten Wolframerzvorkommen, deren Fördermenge „teil-staatlich“ geregelt wird. Trotz eines massiven Nachfragerückgangs wird dort viel zu viel produziert. Wir gehen davon aus, dass die Überkapazitäten in China doppelt so hoch sind wie die jährliche Weltproduktion.

livingmetals: Günstige Rohstoffkosten – ist das nicht der Traum der verarbeitenden Industrie?

Dr. Andreas Lackner: Für die Produzenten ist das natürlich der Idealzustand. Allerdings: Alle Wolfram-Minen weltweit erzielen derzeit Verkaufspreise, die unterhalb der Herstellkosten liegen. Auch chinesische Minen können bei einem Preis unter 220 USDollar pro metrischer Tonne kaum noch profitabel arbeiten. Die Folge ist, dass viele – vor allem westliche – Minen ihren Betrieb bereits reduziert oder eingestellt haben.

livingmetals: Welche Maßnahmen ergreift GTP, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Dr. Andreas Lackner: Wir senken unsere Kosten, investieren in automatisierte Prozesse und erweitern unsere Recyclingkapazitäten, um von Primärrohstoffen unabhängiger zu sein. Mit neuen Produkten für Schlüsselmärkte und einer weltweiten Vertriebsoffensive sollten wir gut gerüstet sein, sobald die Rohstoffpreise wieder anziehen.

livingmetals: Welchen Nutzen hat der Kunde davon?

Dr. Andreas Lackner: Ich bin überzeugtdavon: Die Versorgungssicherheit mit Wolfram wird mittelfristig wieder ein Thema sein. Der Rohstoffzyklus mit steigenden und fallenden Preisen wiederholt sich alle fünf bis zehn Jahre. GTP hat die Weichen dafür gestellt, auch in Zukunft ein unabhängiger und zuverlässiger Wolframhersteller mit gesicherter Erzversorgung zu sein.

livingmetals: Welche Bedeutung hat Wolfram für die Industrie?

Dr. Andreas Lackner: Wolfram-Metall ist in der Refraktärmetallindustrie nicht wegzudenken – auch wenn es dort immer wieder die Bestrebung gibt, das Wolfram aufgrund seiner schwierigen Verarbeitungseigenschaften und der hohen Kosten in der einen oder anderen Anwendung zu ersetzen. Dagegen ist die Hauptanwendung von Wolfram kaum zu ersetzen: Aus Wolframkarbid (Hartmetall) werden die meisten Werkzeuge in der zerspanenden Fertigungsindustrie sowie extrem verschleißfestes Halbzeug in der industriellen Fertigung hergestellt.